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02.12.2015, 00:58

Geschichten

Geografisch gesehen ist das Hasenbergl die sprichwörtliche städtische "Randerscheinung", ein be- und umbauter "Lehmbuckl" an der Westseite der Linkstraße gelegen und von der Aschenbrenner- bis zur Dülferstraße reichend. Übrigens ist das Hasenbergl die einzige Erhebung in der Münchner Schotterebene! Die Besiedelung des Stadtbezirks 24 ist für etwa 3.500 Jahre nachgewiesen. Grabhügel aus der Bronzezeit in der Fasanerie datieren auf 1500 v. Chr, ebenso römische Nachbestattungen aus der frühen Kaiserzeit und Bestattungen aus der Merowingerzeit. Zwischen 500 und 50 v. Chr. traten die Kelten in Erscheinung und bauten eine Schanze nahe der heutigen A99. Auch der Verlauf der ehemaligen Römerstraße nach Augsburg ist heute noch nachvollziehbar. Der größte bajuwarische Friedhof mit über 700 Reihengräbern aus dem Jahr 500 n. Chr. wurde beim Aushub des Fasaneriesees 1939 bis 1941 freigelegt. Nördlich der heutigen Bezirkssportanlage Grohmannstraße wurde eine Grabanlage - vermutlich aus der "Merowinger Zeit" (ca. 450 bis 750 n. Chr.) ausgemacht. Man kann davon ausgehen, dass das Hasenbergl schon seit "Urzeiten" bewohnt war. Das ist nicht weiter verwunderlich, liegt doch auch dieses Gebiet auf dem ehemaligen Feldmochinger G'field.

Wer weiß schon, dass im 24. Stadtbezirk im Oktober 1648 die letzte Schlacht des 30-jährigen Krieges geschlagen wurde? Für Luftfahrtbegeisterte ist der Flughafen Schleißheim eine erste Adresse! Hier hatte die bayerische Luftwaffe 1912 ihren Anfang. Der Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl ist also Menschheits- und Kulturgeschichtlich hochgradig kontaminiert.

Als die "Siedlung am Hasenbergl" ab 1959 Jahren entstand, hatten die meisten Wohnungen Münchens noch Etagenklo's und kein fliesendes Warm- bzw. Kaltwasser in den Wohnungen. In München fehlten 70.000 Wohnungen. Kriegsbedingt war 1/3 aller Wohnungen zerstört worden. Hinzu kamen die Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR vor dem Mauerbau. Vor allem für Familien mit mehr als 2 Kindern war es schwierig, entsprechenden und gleichzeitig günstigen Wohnraum zu finden.

So mancher Stadtbewohner blickte damals voller Neid in's Hasenbergl, musste er entweder einmal die Woche in's Wannen- und Brausebad oder täglich die Kohle oder das Heizöl aus dem Keller in den 3. Stock schleppen, um den Warmwasserboiler vorzuheizen. Während die innerstädtischen Bewohner die öffentlichen und privaten Wannen- und Brausenbäder besuchen mußten, konnten sich die Hasenbergler bereits in ihre privaten Badezimmer in Ihrer Wohnung zurückziehen.

Was für ein hygienischer und wohnkultureller Fortschritt im Hasenbergl: Jede ab 1960 im Hasenbergl gebaute Sozialwohnung hatte fliessend Kalt- und Warmwasser, gefließte Bäder sowie Zentralheizung! Hinzu kam, dass jede Hausgemeinschaft eine "Gemeinschaftswaschküche" mit Waschmaschine und Trockenraum betrieb. Und das im "sozialen Wohnungsbau"! Wohnungstechnisch war das Hasenbergl eine "Kulturrevolution". Der Name "Parkstadt" - in München für Bogenhausen reklamiert -  war im Hasenbergl in sehr viel größerem Maße Realität geworden. Schließlich war es der gleiche Gartenbauarchitekt.

Für kinderreiche Familien - das war hier praktisch jede zweite - eine ungeheure Arbeitserleichterung in der Haushaltsführung. Doch wohin mit der gewonnenen Freizeit? Ein "Lagerkino" in der "Siedlung Frauenholz" oder das "Sonnenkino" in Feldmoching mit je ca. 100 Plätzen waren lange Zeit die einzigen Freizeitoasen. Um in die Innenstadt zu kommen, brauchte man 1963 1 Stunde Fahrzeit - wohlgemerkt nur einfach! Der Bus 81 und später 181 sowie 84 fuhr über den ehemaligen "Fürstenweg" - der alten Schleißheimer Straße - bis nach Milbertshofen zum Anhalterplatz. Dort stieg man in die Straßenbahnlinie Nr. 7 und erreichte nach ca. 1 Stunde den Stachus.

Hasenbergl, das ist heute Stadt und Land zugleich, gute wie auch günstige Wohngegend für alle Bevölkerungsschichten. Man lebt hier beschaulich, in jedem Fall in gutem Einvernehmen und mit vielen Nationalitäten zusammen. Das Kulturleben im Stadtteil spielt sich im Volkstheater, Bibliotheken, Vereinen und kirchlichen Einrichtungen ab. In größeren zeitlichen Abständen - so zwischen 5 bis 8 Jahre - wird auf dem Dülferanger ein Stadtteilkulturfest abgehalten. Er ist der zentrale Platz des Hasenbergls neben dem Feldmochinger Anger, auf dem neben Theater und Zirkus sonstige Gaukeleien stattfinden. 

Im Hasenbergl wie im gesamten Stadtbezirk 24 leben die "Normalos" dieser Stadt mit alle ihren täglichen Problemen sowie den stadtweit üblichen individuellen "Überlebensstrategien".

Das Wichtigste bleibt aber: Man wohnt angenehm, eingebettet in gepflegten großflächingen Grünanlagen, die den gesamten Stadtteil prägen. Kein übermäßger Lärm und Gestank, saubere Luft und - seit 1993 - eine gute Anbindung an das öffentliche U-Bahnsystem. Natürlich gibts auch Schattenseiten. So ist es bis heute nicht gelungen Handwerksbetriebe anzusiedeln. Und ein "Dorftreffpunkt" mit Cafe wäre für viele auch ganz schön. Allerdings: Gemessen an den Problemen der sechziger und siebziger Jahre sind dies heute nur Marginalien.

Bildnachweis:
Hasenberglwappen: Mit freundlicher Genehmigung Johanna Hofmeir (Hase), Klaus Mai (Wappen)

KM

 

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