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02.12.2015, 00:58

DP Lagerpost Schleißheim (Feldmoching)

Regionale Postdienste, DP-Lagerpost und Pfadfindermarken in den DP-Lagern des heutigen Münchner Stadtbezirks 24 (Feldmoching-Hasenbergl) unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg

von Klaus Mai, München im Juli 2011

Beschreibung: Einzelmarke Freimann

Innerhalb des Münchner Stadtbezirks 24 befanden sich unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg 1945 mehrere DP-Lager.[1] So u.a. das ehemalige KZ-Außenlager Dachau-Allach an der heutigen Karlsfelder Straße, Schleißheim (Feldmoching) an der Schleißheimer Straße sowie die US-Warner-Kaserne oder ehemalige SS-Kaserne an der Neuherberg-Ingolstädter Straße und das sich südlich anschliessende Neu-Freimann.[2] Das Lager Schleißheim befand sich im Norden der Stadt München im Stadtteil Feldmoching an der Stadtgrenze zur Gemeinde Oberschleißheim. Es gehörte bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 zum Ausbildungskomplex des Flughafens Schleißheim, zur ehemaligen „Fliegertechnischen Schule Schleißheim". Zwei Lager hatten eine herausragende Bedeutung: das „DP-Lager Allach" (es umfasste das BMW-Arbeitslager an der Dachauer Straße sowie das KZ-Außenlager Dachau-Allach (jetzt: Siedlung Ludwigsfeld) mit dem O.T. Lager (OT = Organisation Todt))[3] sowie das „DP-Lager Schleißheim (Feldmoching)". Dachau-Allach fasste etwa 15.000, Schleißheim (Feldmoching) bis zu 4.420 Personen. Dieser Höchstbelegungsstand war im Lager Schleißheim (Feldmoching) im Oktober 1946 erreicht worden.[4] Mit Übernahme der Lager am 1. Juni 1945 durch die UNRRA[5] wurden auch ehemalige sowjetische Kriegsgefangene in deutschen Uniformen als DP (Displaced Persons) eingestuft. Schleißheim (Feldmoching) wurde zunächst von Mai 1946 bis Ende 1949 als Sammellager für überwiegend ukrainische und russische DP geführt. Ab Herbst 1946 wurden ca. 2.000 Russen und 198 Kalmücken aus dem DP-Lager WArner-Kaserne, später auch kleinere Gruppen anderer Nationalitäten eingewiesen. Lagerbewohner waren ehemalige Mitglieder der Wlassow-Armee, ehemalige KZ-Insassen, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und politische Emigranten (Antikommunisten), die sich bereits vor Kriegsbeginn in Deutschland befanden. Als spätere „Heimatlose Ausländer" hatten sie ab 1951 eigene Ausweise bzw. vorher den „Nansen-Pass"[6] des Völkerbundes besessen. Das DP-Lager Schleißheim (Feldmoching) hatte eine Sonderstellung inne. Es war schlichtweg das DP-Lager der russischen und ukrainischen Oppositionellen und Intellektuellen.[7] Es war geistiges Zentrum und beherbergte von 1946 bis 1953 die Kathedralkirche der Russisch-Orthodoxen Auslandskirche. Eine im Lager betriebene ukrainische polytechnische UNRRA-Universität existierte 1946 bis 1948 und war eine „Zweigstelle" der UNNRA-Universität München. Schulisch gehörte Schleißheim (Feldmoching) zum Sprengel des DP-Lagers Warner Kaserne.

Das DP-Lager Neu-Freimann wurde im Juli 1946 südlich des Gebiets der US-Army Warner-Kaserne (ehemalige SS-Kaserne) in der von der US-Army beschlagnahmten Wohnsiedlung Kaltherberge eingerichtet. Es war überwiegend von polnischen und jüdischen DP bewohnt und diente vor allem als  „Auswandererlager" nach Palästina. Es wurde am 15. Juni 1949 aufgelöst. Dieses Lager befand sich an der heutigen Ingolstädter Straße und war de facto  -  weil "US-Kasernengelände" - „exterritoriales Gebiet".[8] Postalisch war die Deutsche Post unmittelbar nach Kriegsende nicht in der Lage, reguläre Zustelldienste durchzuführen. Hinzu kam, dass das DP-Lager Schleißheim (Feldmoching) bis zur Übernahme durch die Bayerische Flüchtlingsverwaltung am 1. November 1951 eben „exterritoriales" Gebiet darstellte. Es lag innerhalb des US-Flughafenkasernengeländes. Die Herausgabe von Lagermarken durch z.B. Pfadfinder oder Lager-Komitees bedurfte deshalb keiner deutschen Postgenehmigung.[9] Der deutsche Staat war in dieser Zeit „vorübergehend handlungsunfähig". Diese „Rechtslage" ermöglichte die Installation einer Lagerpost mit Genehmigung der Alliierten.[10] Nach der Genfer Konvention waren alle kriegführenden Parteien verpflichtet, die Post von Kriegsgefangenen gebührenfrei zu befördern. Dazu zählte neben der privaten Post der Kriegsgefangenen auch die Post nach außen in die Heimat sowie Post innerhalb der Lager.[11] Die Alliierten waren deshalb verpflichtet, nach der Besetzung Deutschlands den Kriegsgefangenen in DP-Lagern die kostenlose Versendung (portofreie Post) aus den DP-Lagern zu ermöglichen. So wurden z.B. im DP-Lager Neu-Freimann vom polnischen Flüchtlingskomitee mit Genehmigung der UNRRA und später der IRO in Freimann Lagermarken herausgegeben, die in München gedruckt wurden.[12] Der Verkaufserlös war zur Deckung der Ausgaben des Komitees bestimmt. Das Briefporto betrug 25 Reichspfennige. Motiv war der polnische Adler als Buchdruck auf gräulichem Papier in Bögen zu 25 Stück. Die Auflage lag bei 5.000 bis 6.000, nach anderen Quellen, die wahrscheinlicher sind: 20.000 bis 25.000 Stück. Spätere Marken folgten.

Das ehemalige KZ-Außenlager Dachau-Allach (heute Siedlung Ludwigsfeld) hatte ab Kriegsende eigene Lagermarken herausgegeben. Polnische DPs hatten die Idee aus anderen DP-Lagern aufgenommen und Marken gedruckt. Der Wert der Marken betrug 2,85 RM, der gesamte Block kostete 10 RM. Davon gingen 7,15 RM als Spende an das Polnische Rote Kreuz. Der so organisierte Postverkehr dauerte von Kriegsende am 8. Mai 1945 bis etwa Ende 1948 (Übernahme vieler ziviler Funktionen durch deutsche Behörden). Der Erlös der Marken diente in erster Linie der Geldbeschaffung. Eine Lagerpost im Sinne einer Lagerpostanstalt mit Beförderungsdienst gab es im DP-Lager Regensburg, die ebenfalls von Kriegsende bis zur Schließung des Lagers Ende des Jahres 1948 existierte.[13] Auch im DP-Lager Schleißheim (Feldmoching) hat es zumindest ab 1950 zeitweise Lagerpost in diesem Sinne gegeben. [14]

In München gab es seit Juli 1948 den privaten Postdienst „R.O.N.D.D",[15] der von russischen Pfadfindern betrieben wurde und den Postdienst zwischen den DP-Lagern in Gang hielt. Alle Marken hatten den Aufdruck „Postal" und „Patriot Fund of the R.O.N.D.D". Am 30. Juli 1948 erschienen vier Wohlfahrtsmarken mit den Motiven der Generäle Kornilov, Kolchak, Wrangel und Wlassow im Wert von je 50 Pf. mit folgendem Kopf Text: "The blood of the fallen once calls us the task: 1918 - 1948". Der Fußtext lautete: „The white battle-liberation movement". Am 14. August erschien eine Marke mit dem russischen Adler, dem Kreml und der St. Andreas-Flagge. Im Hintergrund war die untergehende Sonne dargestellt.[16] Der private Postdienst existierte bis April 1953.[17]

Mit Schließung des DP-Lagers Mönchehof (bei Kassel in der britischen Zone) gegen Ende 1949 wurde der noch verbliebene Teil der russischen DP nach Schleißheim (Feldmoching) verlegt.[18] Darunter auch R. Polchaninov, der im DP-Lager Mönchehof die Pfadfinderpost aufgebaut hatte. Mit ihm gelangten auch die Druckplatten der Mönchehof-Pfadfindermarken Ende 1949 nach Schleißheim (Feldmoching). Alle später in Feldmoching erschienenen Marken hatten den Aufdruck „Camp Post Feldmoching" in russischer Sprache. So erschienen bereits am 1. Januar 1950 in Feldmoching Weihnachtswohlfahrtsmarken. Die ersten zwei Pfadfindermarken erschienen am 25. Januar 1950. Diese waren von S. Antonov entworfen worden. Als Motiv war zum einen eine Lagerszene in der Nähe des Waldes gewählt worden, zum anderen eine Szene mit zwei Pfadfindern. die in den Bergen klettern. DieBeschreibung: Pfadfindermarke 1 Feldmoching Beschreibung: Pfadfindermarke 2 FeldmochingMarken waren in Schwarz auf weißes Papier gedruckt. Es folgte die Herausgabe weiterer Pfadfindermarken mit unterschiedlichen Wertangaben auf unterschiedlichen Papieren mit dem Motiv von Zar Peter dem Großen und Puschkin. Beide waren von B. Kiriushin gestaltet worden. Alle Marken wurden in der „Pavlowski-Druckerei" in München gedruckt. Am 18. Mai 1950 erschien aus Anlass des 150. Todestages von Feldmarschall Suvorov eine Marke mit dem Aufdruck „CAMP Post Feldmoching" und dem Datum „6.8.1800". Am 8. Juli 1950 fand im Lager Schleißheim (Feldmoching) die erste Pfadfindermarkenausstellung statt. Am 7. November 1950 gab man aus Anlass des „Tages der Unversöhnlichkeit mit dem Bolschewismus" die ersten Luftpostmarken heraus. Man hatte dazu die Marken einfach per Hand mit dem Aufdruck „Air Mail" versehen.[19]

 

Beschreibung: Brf ab Feldmoching klein

Das DP-Lager Schleißheim (Feldmoching) war seit seiner Schaffung als DP-Lager eine „komplette Kleinstadt" mit allen erforderlichen Infrastruktureinrichtungen.[20] Seit 1. Januar 1950 hatte die Deutsche Post im Verwaltungsbau (Baracke Nr. 67) des DP-Lagers Schleißheim (Feldmoching) ein Zweigpostamt eingerichtet, in dem ein „kleiner dicker" Deutscher und zwei Russen beschäftigt wurden. Das „russische Komitee" organisierte mit Hilfe der russischen Postler und der Pfadfinder die  Lagerpost auf dem Gelände des DP-Lagers. Für diesen Zweck wurden Pfadfindermarken ausgegeben, die mit „Lag. Post Feldmoching" in kyrillischer Sprache überdruckt waren. 1953 endete die „Posttätigkeit" der russischen Pfadfinder im Lager. Das „Regierungslager Schleißheim" - so hieß das Lager offiziell - wurde am 15.April 1953 an die Oberfinanzdirektion München übergeben und am 17. April 1953 aufgelöst. Zwei Tage später wurde das Lager von der Landeshauptstadt München als „Notwohnanlage" Frauenholz übernommen. Die letzten vier Gedenkmarken der Pfadfinderpost wurden am 30. April 1953 herausgegeben und hatten als Motiv den 40. Jahrestag der russischen Pfadfinder mit der Aufschrift „NORS National Organisation Russian Scouts 40th Anniversary".[21] Das Lager existierte bis 1969. Die letzte Baracke (Freizeitheim) wurde 1971 abgerissen.

Anhang: Plan des DP-Lagers Schleißheim(Feldmoching) © by Klaus Mai, München 2011

Beschreibung: C:\Users\Klaus\Desktop\Plakat02.jpg

 

Mein besonderer Dank gilt Mr. Jay Carrigan, New York, USA, Nicolas Romanov, Illinois, USA, Manfred Rauschenberger von der ArGe Pfadfinder sowie Dr. Manfred Heber aus Gran Canaria für ihre Unterstützung und Hinweise. Ebenfalls Dank an den Scoutmaster R. Polchaninov. Für das Korrekturlesen danke ich Frau Irina Redtko, Cindy Drexl und Ewgenij Repnikov. Den Anstoß sich mit der Pfadfinderbewegung im Rahmen meiner DP-Lager Lagerforschung im Stadtbezirk 24 speziell zu beschäftigen gab Herr Markus Auerbach. Auch ihm gebührt dafür Dank.

Weiterführende Literatur:
Heber, Manfred G., HANDBUCH der Lagerpost um 1945, Maspalomas, 1995
Heber, Manfred G., KATALOG der Lagerpost um 1945, Elmshorn, 1986

Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945-1951, Göttingen 1985.
Stepien, Stanislaus, Der alteingesessene Fremde. Ehemalige Zwangsarbeiter in Westdeutschland, Frankfurt am Main 1989
A. Petrowsky, Unvergessener Verrat! 1945, Schutzverband der Kosaken e.V. in Deutschland, München 1963
Dr. Andreas Heusler, Zwangsarbeit in der Münchner Kriegswirtschaft 1939-1945, München 1991
Stefan Ellenrieder, Wohnverhältnisse von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in München in der Nachkriegszeit, in: Oberbayerisches Archiv 120, 1996, S. 317-390.
Elena Remilev, Oirat – Mongolen, Ein Überblick über die Geschichte der europäischen Kalmücken, Bertugan Verlag, 1. Auflage, Weiler 2010.
Ludwig Eiber, Frauenholz, Lagerleben in der Nachkriegszeit, Dokumentation der Projektgruppe „Frauenholz“ vom 21. Mai - 14. Juni 1992.
Ende und Anfang, Vom KZ-Außenlager Allach zur Siedlung München-Ludwigsfeld, Hrsg. von Rozalija Sokola, München 2005.
Dr. Alexander Kornilov, Über die russisch-orthodoxe Geistlichkeit im D.P. Lager Schleißheim, Nischnij Novgorod 2011


[1] DP waren "Zivilisten außerhalb der nationalen Grenzen ihres Landes aus kriegsbedingten Gründen, die nach Hause zurückkehren wollen, aber dazu unfähig sind, oder die ohne Hilfe kein Zuhause finden oder die in feindliches oder ehemals feindliches Territorium zurückgebracht werden müssen". (Outline Plan for Refugees and Displaced Person, 3.6.1944).  Auf die Problematik, Kriegsgefangene zwecks Zwangsrepatriierung zu Zivilisten umzudefinieren, sei hier nur hingewiesen. Mit diesem „Trick" rechtfertigte bis Ende 1946 vor allem die britische Regierung die Zwangsrepatriierung fremdländischer deutscher Soldaten ­- zum Beispiel aus der Wlassow-Armee - in die Sowjetunion. Vgl. dazu: Nikolaj Tolstoi, Die Verratenen von Jalta, Verlag Georg Müller, München - Wien 1977. Ich bezeichne DP als  „Entwurzelte und Verschleppte". Der Begriff beschreibt die „menschlich-soziale Dimension" des DP-Daseins. Man muss davon ausgehen, dass dieser Personenkreis bei der heimischen Bevölkerung nicht besonders beliebt war.

[2] Das DP-Lager Schleißheimer Straße (auf dem Gebiet der ehemaligen „Benderblocks" zwischen dem heutigen Schätzweg und Detmoldstraße) bleibt hier unberücksichtigt. Dort lebten überwiegend polnische DP.

[3] BMW errichtete bereits 1941 für 5.000 Häftlinge das „Arbeitslager Ludwigsfeld", das kurz vor Kriegsende an die SS verkauft wurde (vgl. 30. April 1945, Ende und Anfang, Vom KZ-Außenlager Allach zur Siedlung München-Ludwigsfeld, S. 26 ff.).  Die Bezeichnung „Allach" meint in diesem Fall das ehemalige KZ-Aussenlager von Dachau und spätere DP-Lager Allach, das wie erläutert drei Lagerteile umfasste. In der Literatur und in amtlichen Schreiben wird Allach immer wieder mit Ludwigsfeld und Karlsfeld verwechselt.

[4] Nach 1946 pendelte sich die Zahl zwischen ca. 3.300  und 3.900 Lagerbewohner ein (BayHStA, OMGUS 10/84 - 1/69). Das UNRRA-Team 631 unter Direktor L. Hart bestand in Schleißheim (Feldmoching) aus sieben Personen. Die Belegung im Oktober 1946 teilte sich auf in 2.463 russische und 1.957 ukrainische DP. Dachau-Allach war zum Zeitpunkt der Befreiung am 29. April 1945 mit ca. 10.000 Männern und Frauen belegt.Vorher waren bereits am 26.04.1945 etwa 7.000 Häftlinge auf dem "Todesmarsch" über Tölz, Mittenwald nach Innsbruck getrieben worden. Die Überlebenden wurden am 01./02.05.1945 von den Alliierten befreit.

[5] UNRRA von engl. United Nations Relief and Rehabilitation Administration war eine Hilfsorganisation, die bereits während des Zweiten Weltkrieges am 9. November 1943 auf Initiative der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens und Chinas gegründet wurde. Nach Kriegsende wurde sie von der UNO übernommen. Die UNRRA war in Europa bis zum 30. Mai 1946 tätig und wurde dann durch die International Refugee Organization (IRO) ersetzt. Sie hatte als Hauptaufgabe die Unterstützung der Militäradministration bei der Repatriierung der sogenannten Displaced Persons (DP). Dazu betreute sie die DP-Lager in den befreiten Gebieten. Für jedes Lager war ein UNRRA-Team zuständig, das der örtlichen Militärkommandantur unterstellt war. Die UNRRA war in den Lagern den nichtmilitärischen Hilfsorganisationen gegenüber, wie dem Roten Kreuz oder dem Joint Distribution Committee weisungsberechtigt. Als Hauptquartier für die Amerikanische Besatzungszone diente der UNRRA seit November 1945 das Gebäude des heutigen Karlsgymnasium München-Pasing und die nahegelegene Lehrerbildungsanstalt Pasing.

[6] Der „Nansen-Pass" ist ein Passersatz, der an staatenlose (und quasi staatenlose) Flüchtlinge ausgestellt wird. Er wurde am 5. Juli 1922 eingeführt und von 53 Staaten anerkannt. Erfinder und Namensgeber war Fridtjof Nansen (1861-1930), Polarforscher und Hochkommissar des Völkerbundes für Flüchtlingsfragen.

[7] Mai, Klaus: Kunst im DP-Lager Schleißheim (Feldmoching), Katalog der Ausstellung im Kulturhistorischen Verein Feldmoching, München 2011

[8] Für die Gesetzgebung in Deutschland hatte in allen außenpolitischen Fragen der Alliierte Kontrollrat die Herrschaft übernommen. Die Hohen Kommissare lösten die Militärgouverneure im September 1949 ab. Rechtlich war der Bereich der Souveränität Deutschlands durch das NATO-Truppenstatut (SOFA) erst seit 19. 6. 1951 vorgegeben. US-Kasernen waren bis dahin de facto „exterritoriales Gebiet".  Die Problematik der Exterritorialität ist Rechtstheoretisch in diesem Zusammenhang durchaus interessant, de facto hier jedoch ohne Bedeutung. Historisch gesehen hatte der deutsche Staat aufgehört zu funktionieren.

[9] Die DP-Lager Neu-Freimann und Schleißheim (Feldmoching) gehörten bis zur Übergabe an die „bayerische Flüchtlingsverwaltung" am 1.11.1951 in der amerikanischen Besatzungszone zum „Hoheitsgebiet" der US-Besatzungsmacht, die auch die Polizeigewalt innehatte. Im Lager Schleißheim wurde eine eigene bewaffnete Hilfspolizei installiert, die ausschließlich den US-Militärbehörden unterstand. Es galt damit das US-Militärrecht im Lager. Die Deutsche Polizei durfte das Lager Schleißheim bis zur Übernahme durch die bay. Flüchtlingsverwaltung am 1.11.1951 nur mit Genehmigung der US-Militärpolizei (MP) betreten.

[10] Mit Kriegsende und Kapitulation am 8. Mai 1945 kam auch der gesamte Postverkehr zum Stillstand. Die Besatzungsmächte waren nun für die Post zuständig.  Lediglich örtliche Zustelldienste funktionierten noch. Erst am 1. März 1946 nahm die Oberpostdirektion München wieder ihren Dienst auf.

[11] Art. 71 I GA III der Genfer Konvention bestimmt, das Kriegsgefangene das Recht haben, auf dem Postwege mit ihren Angehörigen Kontakt zu halten. (Art. 71 I GA III) Sie können auch Bücher, Lebensmittel, etc. empfangen. (Art. 72 I GA III) Eine Zensur darf nur aus Sicherheitsgründen erfolgen. (Art. 76 I, II GA III). War ein direkter Postverkehr zwischen den Kriegführenden nicht möglich, konnte das Internationale Komitee des Roten Kreuzes den Austausch der Post übernehmen.

[12] http://www.lagerpost.info Dr. Manfred G. Heber, Isla de Lobos 53, E-35100 Maspalomas (Gran Canaria, Canary Islands).

[13] Vgl. ebd.

[14] Von einer Lagerpostanstalt kann man dann sprechen, wenn unabhängig von der Deutschen Post Postsendungen über eine Poststelle innerhalb des Lagers freigemacht (gestempelt) und mit einem eigenen Postdienst (z.B. durch Pfadfinder) befördert worden sind oder Postsendungen aus dem Lager mit Lagerpostbriefmarken und Briefmarken der Deutschen Post freigemacht und zugestellt wurden  Zumindest für den Postweg aus dem Lager heraus gibt es für das DP-Lager Schleißheim (Feldmoching) Belege, dass eine Lagerpost existierte.

[15] Russisch: Rossiyskoe Obschenatsional'noe Narodno Derzhavnoe Dvizheniye, abgekürzt als RONDD. In Englisch: Russian All National Popular  State Movement. RONDD war eine russische Emigrantenorganisation in Westdeutschland nach dem II. Weltkrieg und setzte sich überwiegend aus ehemaligen Angehörigen der Wlassow-Armee zusammen. Siehe auch: ROA.

[16] Vgl. http://www.lagerpost.info. Der im München bestehende St.-Andreas-Bund  war eine ideologisch-kämpferische z.T. auch paramilitärisch ausgerichtete Erwachsenenorganisation mit dem eindeutigen Ziel des auch bewaffneten Kampfes gegen den Kommunismus.  

[17] Vgl. http://www.lagerpost.info Dr. Manfred G. Heber, Isla de Lobos 53, E-35100 Maspalomas (Gran Canaria, Canary Islands).

[18] Polchaninoff, R.: Russian DP-Camp, Scout-Mail, SSCC Journal 1960, SGSC Bulletin 1/2004.

[19] http://www.jaypex.com Jay T. Carrigan, Russian DP-Camps in Germany.

[20] Vgl. Mai, Klaus: Kunst im DP-Lager Schleißheim (Feldmoching).

[21] Vgl. http://www.lagerpost.info.

 

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